interview

mit tom

Hast du angesichts deiner eigenen Entwicklung und vielleicht auch durch die spätere Beobachtung deiner Berufsschüler (oder jetzt auch deiner Kinder) die Überzeugung gewinnen können, dass in jedem Menschen besondere Fähigkeiten schlummern?

Absolut! Ich denke, dass die Kunst im Leben darin liegt, eine Leidenschaft zu entdecken und ihr vor allem auch zu folgen. Durch gesellschaftliche Kon-ventionen oder mangelnden Mut werden Menschen häufig davon abgehalten ihrer Bestimmung zu folgen. Da heißt es dann leicht mal, das Künstlergeschäft ist zu hart, da kann man kein Geld verdienen oder als Koch verdient man kein Geld, geh lieber studieren. Oder – vom Luftanhalten kann man nicht leben. Mein Sohn ist auch ein gutes Beispiel. Er ist ein großartiger Konstrukteur. Wenn seine Mama ihn zum Tanzen mitnimmt, kann es passieren, dass er nicht tanzt sondern sich alle möglichen Dinge um sich herum schnappt und irgendetwas draus baut… Das könnte man ihm jetzt austreiben ;). Meinen Freunden habe ich immer gesagt, dass man alles erreichen kann, wenn man bereit ist alles dafür zu tun. Für eine solche Bereitschaft braucht es meines Erachtens Leidenschaft. Leidenschaft motiviert und energetisiert dich. Jede Arbeit kostet halb so viel Kraft, wenn sie mit Leidenschaft ausgeführt wird.

Wer war an der Entwicklung deiner Freitauch-Fähigkeiten beteiligt? Ein Trainer? Trainingspartner? Oder hast du es dir Stück für Stück selbst beigebracht?

Ich hatte nie einen Trainer, ich habe es mir selber beigebracht. Beeinflusst wurde ich durch meine Trainingspartner Michael Busse, Dominique Ventzke oder Karsten Schneider.

Gibt es für Dich außer Deinem ersten 20-Meter-Tauchgang in Jamaika noch andere emotionale Meilensteine unter Wasser?

Viele dieser Meilensteine sind natürlich sportlicher Natur. Mein erster Welt-rekord, die tiefste Tiefe auf der Weltmeisterschaft in Vancouver. Trotz eines Modus, der für „Bifins-Taucher“ ungünstig war, Weltmeister im Streckentauchen gegen Monoflossenschwimmer geworden. Über 250m Streckentauchen.

Als erster Mensch über 10 Minuten die Luft angehalten. Im Stadion voller Menschen den Streckentauchweltrekord aufgestellt. Und noch ein paar andere.

Der schönste Tauchgang war für mich, als ich von Delfinen umzingelt wurde. Ich wartete auf etwa 15m und hoffte, sie würden mich aus Neugier besuchen kommen. Das taten sie dann auch. Dann positionierten sie sich, in der gleichen aufrechten Haltung wie ich, im Kreis um mich herum und schauten mich erst einmal nur an. Ich war komplett überwältigt und berauscht. Dann fingen sie sogar an mit mir zu sprechen… unglaublich war das. Emotional waren sicherlich auch die zwei gefährlichsten Situationen, die ich im Freitauchen hatte (z. B. als mein Schlitten auf 122m hängen blieb).

 Was bedeuten dir deine vielen Rekorde?

Die Rekorde machen mich schon stolz. Ich habe hart dafür gearbeitet und sie zeigen, dass meine Ideen, Strategien und Herangehensweisen an das Training aber auch an das im Leben im Allgemeinen gut und richtig sind. Ich weiß einfach, dass ich über gute Werkzeuge verfüge, wenn es darum geht Ziele zu erreichen. Das macht mich sehr zufrieden.

Wann hast du für dich systematische Formen des Trainings entdeckt – und wenn du dir dabei Trainingsziele gesetzt hast, wie hast du dich motiviert, diese zu erreichen?

Ich habe von Anfang an versucht Systematik in mein Training zu bringen. Es dauert allerdings Jahre, bis ich erkannte, dass es weniger um systematisches Training als um systematisches Forschen ging ;).

Was macht dich besonders glücklich beim Unterrichten von Berufsschülern?

Es sind im wesentlichen die individuellen Feedbacks, die mich glücklich machen. Schüler melden mir häufig zurück, dass sie sich wünschen, mich auch in anderen Fächern zu haben oder dass sie bei mir viel gelernt haben. Ein Beispiel für einen Dialog, der mich sehr glücklich gemacht hat lautete wie folgt: „Warum ist es bei Herrn Sietas eigentlich immer leise und bei allen anderen Lehrern ist es immer Laut?“ … „Weil man merkt, wenn jemand gut vorbereitet ist und Bock auf Unterricht hat.“

Wenn ich sehe, dass selbst die SuS motiviert arbeiten macht mich das sehr zufrieden. Mein Ziel erreicht habe ich, wenn die SuS ihre Handlungsprodukte (Präsentationen, Rechercheergebnisse, Videoclips etc) mit stolz präsentieren und sich an der Diskussion über die Arbeitsergebnisse der anderen beteiligen.

Was sind das für Momente, in denen du das Gefühl hast, dein Ziel als Freitauch-Trainer erreicht zu haben?

Die Freude in den Augen meiner Schüler zu sehen, wenn sie etwas gut gemeistert haben, macht mich besonders glücklich.  Während meiner individuellen Coachings haben viele meiner Freitauchschüler Bestleistungen aufgestellt. Alle Schüler waren danach ausnahmslos glücklich, euphorisiert und zutiefst dankbar. Ab einem bestimmten Level sind die Schüler auch schon sehr dankbar, wenn ich bei ihnen Optimierungsmöglichkeiten im Technikbereich ausmache und ihnen aufzeige, wie sie sich verbessern können. Diese Dankbarkeit macht  mich sehr zufrieden, weil sie mir zeigt, dass ich anderen helfen und sie glücklich machen kann.